Sunflower Lanyard: Sichtbar, ohne erklären zu müssen
Shownotes
Seit der Einführung des Sunflower Lanyards bei grösseren Schweizer Verkehrsunternehmen wird das Zeichen auch hierzulande zunehmend sichtbar. Für Matthias Huber bedeutet das grüne Umhängeband mit den Sonnenblumen Entlastung unterwegs, ohne erklären zu müssen.
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00:00:01: [Signet] Stiftung Denk an mich: Die Solidaritätsstiftung von SRF,
00:00:06: die Ferien- und Freizeitaktivitäten für Menschen mit Behinderungen unterstützt.
00:00:13: [Moderator SRF 1] Grüne Bände mit einem fröhlichen Sonnenblumenmuster zum um den Hals tragen,
00:00:18: das sieht man hier und dort.
00:00:20: Zum Beispiel an Bahnhöfen, an Flughäfen oder auch einfach im Tram.
00:00:24: Die Idee dahinter stammt von einer britischen Organisation
00:00:26: und soll Menschen mit einer unsichtbaren Behinderung im Alltag helfen.
00:00:31: Beispielsweise solche, die mit Demenz oder Epilepsie leben oder auch mit Autismus.
00:00:38: Diese Sonnenblumenbändel, englisch Sunflower Lanyards,
00:00:42: signalisieren, dass die Trägerinnen und Träger mehr Zeit, Geduld oder Unterstützung brauchen.
00:00:47: Wir haben im Januar an dieser Stelle schon berichtet,
00:00:49: dass diese Bändel mittlerweile in vielen Ländern verbreitet sind,
00:00:53: allerdings noch kaum bei uns.
00:00:55: Inzwischen hat sich aber doch so einiges getan.
00:00:58: Der Verein Autismus Schweiz setzt sich aktiv dafür ein,
00:01:02: dass dieses erfolgreiche Konzept auch hier Fuss fassen kann.
00:01:05: Die Stiftung Denk an mich unterstützt dieses Vorhaben auch dank Ihren Spenden.
00:01:10: Der Beitrag von Pascale Folke.
00:01:12: [Pascale Folke] Wenn Matthias Huber im Zug, Tram oder Bus unterwegs ist,
00:01:16: trägt er eine Kappe, eine Sonnenbrille und geräuschreduzierende Kopfhörer.
00:01:21: Er ist empfindlich gegenüber Licht, Gerüchen und vor allem Geräuschen.
00:01:25: [Matthias Huber] Es kann sein, dass auch leise Geräusche, die andere als leise bezeichnen,
00:01:30: wie ein feines Rascheln oder ein Brummen von Sachen, Dingen,
00:01:34: um mich herum einen physischen Schmerz im Gehör auslösen können.
00:01:38: Also hat man Glasscherben im Gehörgang.
00:01:40: Oder auch unvorhersehbare Geräusche können ins Gehör stechen,
00:01:45: wie ein Blitz, weil sie aus dem Nichts herauskommen.
00:01:49: Viele Menschen im Autismus-Spektrum erschrecken sich teilweise
00:01:53: auch vor all diesen Geräuschmässigen Dingen,
00:01:56: weil sie sie nicht richtig zuordnen oder integrieren können
00:02:02: in der Situation, in der sie gerade sind.
00:02:05: [Pascale Folke] Matthias ist im Autismus-Spektrum.
00:02:07: Ein Bahnhof, eine simple Zugfahrt oder eine grosse Menschenansammlung
00:02:11: sind für ihn eine Herausforderung.
00:02:14: [Matthias Huber] Einerseits sind es natürlich die vielen Bewegungen der Menschen,
00:02:17: die auch nicht so ganz klar sind, wie sie sich verhalten.
00:02:20: Auch wenn sie ja, die meisten laufen ja von irgendwo hin
00:02:23: und haben ein Ziel.
00:02:25: Aber all die Ärme, Beine und Kopfbewegungen und das Rascheln,
00:02:29: die Geräusche eben auch.
00:02:30: Und auch die Geräusche, die sich nicht wie eine Geräuschkulisse
00:02:33: im Hintergrund darstellen.
00:02:36: Die halt einfach ein bisschen dazugehören,
00:02:38: wenn man im Alltag unterwegs ist.
00:02:40: So möchte ich mir das manchmal versuchen vorzustellen.
00:02:42: Sondern sie sind eher so, dass sie teilweise unzusammenhängend,
00:02:47: kann man fast sagen, und immer wieder veränderlich laut und unruhig
00:02:50: fast ein bisschen in mein Gehirn reinklatschen.
00:02:54: So, dass ich teilweise gar nicht mehr klar denken kann,
00:02:57: wenn das ein gewisses Ausmass angenommen hat.
00:03:01: Und wer irgendwie nicht klar denken kann,
00:03:04: der gerät unweigerlich in Anspannung.
00:03:06: [Pascale Folke] Um die Sicherheit und Toleranz für Menschen mit unsichtbaren Behinderungen
00:03:10: zu erhöhen, ist der grüne Sonnenblumenbändel
00:03:12: mittlerweile ein fester Bestandteil am Flughafen Zürich, Genf
00:03:16: und auch an gewissen Bahnhöfen der SBB.
00:03:19: Die Leonie Seebohm von Autismus Schweiz
00:03:21: zieht eine positive Bilanz.
00:03:23: [Leonie Seebohm] Wir blicken wirklich auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück
00:03:26: und sind stolz auf das, was wir als Projektinitiator in der Schweiz
00:03:31: erreicht haben.
00:03:33: Die Einführung des Sunflower Lanyards,
00:03:35: insbesondere durch die SBB und aktuell auch durch den Flughafen Zürich,
00:03:39: haben ganz grosse Aufmerksamkeit erzeugt
00:03:41: und stossen auf sehr positive Resonanz.
00:03:44: Sie setzen damit natürlich ein grosses Zeichen für Inklusion
00:03:48: und sie setzen auch ein Zeichen,
00:03:50: dass ihnen Menschen im Autismus-Spektrum
00:03:52: und auch mit anderen unsichtbaren Behinderungen wichtig sind
00:03:56: und dass sie Barrieren aus dem Weg räumen wollen.
00:04:00: [Pascale Folke] Autismus Schweiz ist es wichtig,
00:04:02: dass Betroffene in Prozesse miteinbezogen werden.
00:04:05: So kann man auch auf ihre Bedürfnisse eingehen.
00:04:08: Matthias Huber arbeitet als Autismus-Fachperson
00:04:11: und hat den grünen Sunflower Lanyard getestet.
00:04:14: Er ist zufrieden.
00:04:16: [Matthias Huber] Mich hat es bewogen, das Zeichen zu tragen,
00:04:18: weil es eigentlich auch eine Art von Kommunikation ist,
00:04:20: ohne dass ich das alles erklären muss.
00:04:23: Das heisst, ich kommuniziere mit dem Symbol,
00:04:27: dass ich mich unter Umständen ein bisschen anders verhalten werde
00:04:30: als die meisten Menschen in gleichen oder vielleicht auch ähnlichen Situationen.
00:04:35: Gerade wenn ich mich im ÖV nicht so gleich entscheiden kann,
00:04:38: wohin ich sitzen will und hin und her tigere,
00:04:42: dass dann vielleicht weniger den Kopf schütteln
00:04:45: oder irgendjemand sagt, dass ich mal sitzen solle.
00:04:48: Man darf mich dann einfach mal in Ruhe lassen.
00:04:51: Oder wenn vielleicht eine Unruhe bleiben würde,
00:04:55: nachfragen, ob man Hilfe braucht oder so in diesem Sinne.
00:05:00: [Pascale Folke] Der Anhänger zeigt nicht nur Mitreisenden,
00:05:02: dass die Trägerin oder der Träger eine unsichtbare Behinderung hat,
00:05:06: sondern auch beispielsweise am Zugpersonal.
00:05:09: Grosse Unternehmen wie die SBB werden intensiv darauf geschult und sensibilisiert.
00:05:15: Aber es müsse noch mehr unternommen werden,
00:05:17: bis der Sonnenblumenanhänger definitiv in der breiten Öffentlichkeit ankommt.
00:05:22: [Leonie Seebohm] Das ist etwas, was wir auch weiterhin aktiv tun,
00:05:26: dass wir mit ganz verschiedenen Organisationen und Unternehmen
00:05:29: aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen
00:05:31: – Kultur, Gesundheit, Freizeit, Medizin, Bildung –
00:05:36: in Kontakt sind und den Sunflower Lanyard vorstellen
00:05:39: und sie auch begleiten bei der Einführung und Umsetzung des Sunflower Lanyards
00:05:44: in ihren jeweiligen Unternehmen oder Organisationen.
00:05:47: Es braucht einfach auch weiterhin Wissenstransfer
00:05:50: und es braucht sicherlich auch einfach etwas Geduld.
00:05:54: [Pascale Folke] Und auch Matthias Huber ist überzeugt:
00:05:56: Das grüne Bändeli mit den Sonnenblumen zeigt schon jetzt seine Wirkung.
00:06:00: [Matthias Huber] Ich habe schon den Eindruck, dass die Mitarbeitenden des ÖV
00:06:04: etwas langsamer reagieren und nicht so schnell eine Antwort haben wollen.
00:06:08: Sie warten etwas länger.
00:06:11: Ich sage einfach so, das habe ich bemerkt, dass die Leute länger warten.
00:06:16: [Moderator SRF 1] Matthias Huber im Beitrag von Pascale Folke.
00:06:20: Weitere Informationen zum Sunflower Lanyard Projekt
00:06:23: finden Sie auf der Webseite von Denk an mich.
00:06:26: Darauf auch eine Karte, wo man die Sunflower Lanyard
00:06:28: zurzeit in der Schweiz beziehen kann.
00:06:31: [Signet] Die Stiftung Denk an mich unterstützt Ferien- und Freizeitaktivitäten
00:06:36: von Menschen mit Behinderungen.
00:06:38: Mehr Informationen auf denkanmich.ch
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