"Einfach mal nicht allein sein"
Shownotes
Fabrice schwingt auf seinen Skis völlig befreit mit anderen Jugendlichen den Berg hinunter. Er ist glücklich. Solche Momente sind in seinem Leben eine Seltenheit. Weil er mit unsichtbaren Behinderungen lebt, werden ihm viele gemeinsame Sportaktivitäten verwehrt.
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00:00:00: [Signet] Die Stiftung Denk an mich, die Solidaritätsstiftung von SRF, die Ferien- und
00:00:07: Freizeitaktivitäten für Menschen mit Behinderungen unterstützt.
00:00:13: Fabrice ist 17 Jahre alt.
00:00:15: Er lebt mit seiner Familie im Kanton Freiburg.
00:00:17: Seine grosse Leidenschaft sind die Züge und vor allem der Fussball.
00:00:22: Das heisst, er ist ein grosser YB-Fan und am liebsten würde er gerne selber in
00:00:26: einem solchen Club mitspielen.
00:00:27: Seine Freizeit verbringt er aber meistens alleine.
00:00:31: Fabrice lebt mit Epilepsie und ADHS und hat eine seltene Erbkrankheit.
00:00:36: Im Alltag braucht er entsprechend viel Betreuung.
00:00:40: In seiner Freizeit wird klar, wie wenige inklusive Angebote es für Jugendliche
00:00:45: mit Behinderungen gibt.
00:00:47: Heute, Samstag, 28.
00:00:48: Februar, ist der Internationaltag der seltenen Krankheiten.
00:00:51: Dieser Tag erinnert daran, wie viele Menschen mit unsichtbaren Behinderungen
00:00:56: leben.
00:00:57: Sie werden häufig missverstanden und aus der Gesellschaft ausgeschlossen.
00:01:02: Die Geschichte von Fabrice zeigt, warum Sichtbarkeit so wichtig ist.
00:01:07: Der Beitrag von Pascale Volker.
00:01:10: Fabrice beobachtet vorbeifahrende Züge oder winkt dem Lokführer oder
00:01:15: Lokführerin.
00:01:16: Züge sind seine grosse Leidenschaft.
00:01:18: Ich gehe sehr gerne an den Bahnhof und schaue Züge.
00:01:22: Mein Lieblingszug ist bei uns der TPF.
00:01:26: Es gibt einen blauen Zug, der heute vorbei fährt.
00:01:31: Das ist mein Lieblingszug.
00:01:32: Und er kenne auch den Zugsfahrplan in- und auswendig, sagt sein Vater Adrian.
00:01:38: Er kam schon nach Hause von der Schule, ist reingelaufen.
00:01:42: Wo ist mein Rucksack?, frage er.
00:01:43: Ja, der Rucksack ist im Zug vergessen.
00:01:46: Plötzlich ist Fabrice weg.
00:01:48: Wir wussten gar nicht, wo er hinfährt.
00:01:50: Er hat sein Fahrrad genommen und ist davon.
00:01:52: Eine halbe Stunde später kam er wieder nach Hause mit dem Rucksack.
00:01:55: Er wusste, dass dieser Zug nach Neuenburg fährt.
00:01:58: Dort dreht er um und kommt wieder zurück in Richtung Murten.
00:02:01: Danach wartete er auf diesen Zug und ging schnell rein.
00:02:05: Er hat sein Rucksack genommen, der zum Glück noch da war.
00:02:08: Er kam wieder nach Hause mit dem Rucksack.
00:02:10: Das ist eine Fähigkeit, die er sich angeeignet hat, weil er das liebt.
00:02:16: Selbstbestimmt das Leben führen zu können, Teilsein des Ganzen.
00:02:19: Das ist Fabrice enorm wichtig.
00:02:21: Die Stiftung «Denk an mich» hat ihn zu Hause besucht.
00:02:24: Beim Thema Fussball kommt er so richtig ins Schwärmen.
00:02:28: Vor allem, wenn er von seinem Lieblingsklub, den «Young Boys Bern», erzählt.
00:02:32: Ich bin seit etwa zehn Jahren Fan, plus minus.
00:02:36: Ich habe einmal mit meinem Vater im Fernsehen Sport geschaut.
00:02:41: Dann kam eben YB.
00:02:43: Sie haben gewonnen und ich dachte, ich werde ein YB-Fan.
00:02:46: Überall hängen Plakate in seinem Zimmer.
00:02:49: Egal, ob sie gewinnen oder verlieren, Fabrice ist ein treuer YB-Fan und geht
00:02:53: seinen Klub immer wieder mal im Stadion anfeuern, zusammen mit seinem Vater.
00:02:58: Er sammelt alles von YB.
00:03:01: Er schaut gerne Matchs, die wir zwischendurch schauen gehen.
00:03:04: Nicht so oft, aber manchmal.
00:03:07: Am liebsten würde Fabrice selber auch in einem Fussballklub mitspielen.
00:03:12: Ich spiele selber nicht im Verein, aber wenn ich mal Fussball spiele, ist es
00:03:16: mehr im Sommer für mich alleine, so Fabrice.
00:03:18: Ich möchte sehr gerne in einem Klub spielen, aber ich habe Epilepsie und dann
00:03:22: wird es etwas schwierig.
00:03:24: Wenn ich zum Beispiel mal am Spiel bin und dann Epilepsie habe, ja.
00:03:28: Dann braucht es Leute, die wissen, wie sie in so einem Moment reagieren.
00:03:32: Es sei aber schwierig, einen Klub zu finden, sagt Jasmin, die Mutter von
00:03:35: Fabrice.
00:03:36: Viele Sportangebote in der Schweiz sind nach wie vor nicht ausgerichtet auf
00:03:40: Menschen mit Behinderungen.
00:03:41: Also es tut weh, weil ich würde ihn ja voll unterstützen, ihm das geben,
00:03:47: ihn begleiten, sagt die Mutter.
00:03:49: Ich würde ihn fahren, einen Schulklub und so.
00:03:53: Aber es ist wirklich nicht möglich.
00:03:55: Dabei würde es durchaus gehen, wenn man die Umgebung sensibilisiert und sich
00:03:59: zusammen organisiert.
00:04:01: Fabrice nutzt jede freie Minute, um seiner Leidenschaft am Fussball
00:04:05: nachzugehen, sagt Adrian.
00:04:07: Halt einfach meistens alleine, weil seine Kollegen weit weg wohnen.
00:04:11: Fabrice geht selbst, wenn er von der Schule nach Hause gekommen ist.
00:04:16: Jetzt weniger, jetzt ist es früh dunkel.
00:04:19: Aber im Sommer geht er eigentlich fast jeden Tag, nimmt seine Fussballschuhe und
00:04:24: geht.
00:04:24: Wir haben hier keinen weiteren Fussballplatz und er geht für sich selbst dort
00:04:29: Fussball spielen.
00:04:31: Manchmal eine Stunde, manchmal ist er nach 10 Minuten schon wieder da.
00:04:35: Es ist ganz unterschiedlich.
00:04:37: Der 17-Jährige lebt seit seiner Kindheit mit Epilepsie.
00:04:40: Für die Familie gibt es immer wieder herausfordernde Momente im Alltag.
00:04:44: Der erste Anfall, den er hatte, wir hatten das Gefühl, er hätte etwas am Herz.
00:04:48: Das war ganz schwer.
00:04:53: Ich wusste nicht, was das Kind hat.
00:04:57: Er hatte grosse Anfälle, bei denen er eine halbe Stunde weg ist.
00:05:02: Da muss man schauen, dass er nicht erstickt.
00:05:08: Trotzdem ist es für die Eltern wichtig, dass Fabrice auch seinen eigenen Weg
00:05:13: gehen darf.
00:05:13: Meine Frau ist sehr ängstlich.
00:05:16: Ich bin das weniger.
00:05:17: Ich finde, man muss ihm so viel wie möglich selber machen lassen.
00:05:23: Es kann ja nicht sein, dass er das Leben lang jemanden neben sich haben muss,
00:05:27: der auf ihn aufpasst.
00:05:29: Dann hat man mit der Neurologin zusammen bei einem Untersuch, den wir regelmässig
00:05:34: machen, entschieden, dass er jetzt schon so lange anfallsfrei ist und dass er
00:05:40: mit dem Zug selbst in die Schule kann.
00:05:42: Ich glaube, das geniesst er.
00:05:45: Fabrice, ein junger Mann, der neugierig aufs Leben ist.
00:05:49: Am liebsten viele Freunde um sich hat, mit denen er die Freizeit verbringen und
00:05:53: Sport treiben kann.
00:05:54: Jasmin wünscht sich, dass die Gesellschaft noch mehr sensibilisiert wird, damit
00:05:58: Menschen mit unsichtbaren Krankheiten sichtbar werden.
00:06:02: Ich würde sagen, einem Kind oder auch einem Menschen, dem man eine Behinderung
00:06:07: nicht ansieht, sollte man nicht zu viele Vorurteile haben.
00:06:12: Wir wissen nicht, was hinter diesem Menschen ist.
00:06:16: Der Beitrag von Pascale Folke.
00:06:18: Ein Wunsch ging für Fabrice in Erfüllung.
00:06:21: Dank eurer Spenden an die Stiftung «Denk an mich» kann jedes Jahr das inklusive
00:06:26: Schneesportlager der Schweizer Jugendherberge durchgeführt werden.
00:06:29: In das durfte Fabrice dieses Jahr wieder gehen.
00:06:33: Wie es dort war, erfahrt ihr auch hier bei uns nächsten Samstag.
00:06:36: Dann stellen wir euch aber zuerst Alena vor, die Schwester von Fabrice.
00:06:40: Sie unterstützt ihren Bruder im Alltag überall, wo sie kann.
00:06:44: Mehr zu der Geschichte von Fabrice erfahrt ihr unter denkanmich.ch
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