Ein Leben an der Seite eines Bruders mit Behinderungen
Shownotes
Menschen mit Behinderungen brauchen viel Betreuung. So auch Fabrice (17), der mit Epilepsie lebt. Er ist oft im Mittelpunkt. Was macht das mit seiner Schwester Alena? Die 19-Jährige nimmt uns mit in ihren Alltag.
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00:00:01: [Signet] Stiftung Denk an mich.
00:00:04: Die Solidaritätsstiftung von SRF, die Ferien- und Freizeitaktivitäten für
00:00:09: Menschen mit Behinderungen unterstützt.
00:00:13: Vor einer Woche, letzten Samstag, haben wir Fabrice vorgestellt.
00:00:17: Er ist 17 Jahre alt und seine grosse Leidenschaft sind Züge und vor allem der
00:00:22: Fussball.
00:00:23: Er ist ein grosser YB-Fan.
00:00:25: Fabrice lebt mit Epilepsie und ADHS und hat eine seltene Erbkrankheit.
00:00:31: Das heisst, er braucht viel Betreuung in seinem Alltag. Und vor allem in seiner Freizeit
00:00:34: wird klar, wie wenige inklusive Angebote es für Jugendliche mit Behinderungen
00:00:40: gibt.
00:00:41: Unterstützung bekommt er von seinen Eltern, vor allem aber auch von seiner
00:00:44: Schwester, Alena.
00:00:46: Sie verbringt viel Zeit mit ihrem Bruder und engagiert sich, wo sie kann, damit
00:00:50: Fabrice in seiner Freizeit ausleben kann, was er möchte.
00:00:54: [Moderatorin SRF 1] Pascale Volke hat Alena getroffen und will wissen, was ihre Rolle im Alltag mit
00:00:59: Fabrice für sie bedeutet.
00:01:01: Alena ist 19, besucht das Gymnasium und will Lehrerin werden.
00:01:05: Fabrice, der sei voller Energie und Lebensfreude, die anstecke.
00:01:10: «Er ist ein sehr fröhlicher Mensch», sagt Alena.
00:01:12: «Er macht gerne Dinge, ist sportlich aktiv, ist gerne draussen.
00:01:18: Er sieht in allem meistens das Positive.»
00:01:20: Die beiden haben eine besondere Verbindung.
00:01:23: «Wir haben eine spezielle Verbindung, und deswegen muss man immer zusammen sein.
00:01:29: «Wir unterstützen und helfen einander.»
00:01:33: Zwei unterschiedliche Alltäge, die aufeinandertreffen.
00:01:36: Fabrice braucht wegen seiner Epilepsie fast immer jemanden an seiner Seite.
00:01:40: Seine Geschwister aus der Schule wollen ihn nicht um die Ecke, um spontan
00:01:44: abzumachen.
00:01:45: Darum ist es Alena in der Freizeit enorm wichtig, ihren Bruder so oft wie
00:01:50: möglich mitzunehmen.
00:01:51: «Ich versuche, es beides zu verbinden.
00:01:54: «Ich gehe sehr oft an Konzerte und mag Musik.
00:01:57: «Ich versuche, ihn so oft wie möglich mitzunehmen, wenn es möglich ist und nicht
00:02:01: zu spät.
00:02:02: Das ist vielleicht ein Punkt, dass wir viel zusammen machen.»
00:02:07: Fabrice war als kleiner Junge bei Epilepsie-AV zweimal in Lebensgefahr.
00:02:12: Bange-Momente für die ganze Familie und will Alena bis heute noch beschäftigen.
00:02:16: «Ich habe es damals noch nicht ganz wahrgenommen, weil ich selber noch zehn, elf
00:02:22: Jahre alt war, vor allem bei der letzten.
00:02:25: Es war eigentlich immer ziemlich schlimm für mich.
00:02:28: Ich wusste ja, was er hatte.
00:02:30: Trotzdem war er im Spital.
00:02:31: Einmal hatte er keinen Sauerstoff mehr, die Ohren waren blau.
00:02:36: Das ist ein Bild, das nicht mehr aus dem Kopf geht.
00:02:39: Es ist vielleicht nicht etwas, das mich die ganze Zeit begleitet.
00:02:41: Manchmal denke ich, dass es gar nicht war.
00:02:44: Ja, es war ziemlich schwierig.
00:02:47: Irgendwie gab es mir auch Kraft.
00:02:49: Es gab immer einen Ausweg.
00:02:51: Wir hofften immer, dass es besser wird.
00:02:54: Zum Glück wurde es besser.»
00:02:56: Seit ein paar Jahren ist Fabrice anfallsfrei.
00:02:59: Alena verarbeitet ihre Erlebnisse vor allem mit der Musik.
00:03:02: «Musik gibt einem sehr viel.
00:03:05: Sei es durch die Melodie oder die Lyrics oder wie auch immer.
00:03:08: Man bekommt das Gefühl, dass jemand das Gleiche fühlt wie ich, vielleicht nicht
00:03:12: in der gleichen Situation.
00:03:14: Aber mir gibt Musik sehr viel Kraft und Sicherheit.
00:03:17: Das ist das, was uns auch in schwierigen Situationen, nicht nur bei Anfällen,
00:03:23: aber allgemein im Leben sehr viel Kraft gibt und mich auch wieder aufmuntert.»
00:03:28: Und sie schrieb für Fabrice einen Song.
00:03:49: «Es war sein letzter Anfall, als er fast gestorben wäre.
00:03:52: Es geht um die Erfahrungen, die ich damit gemacht habe, was ich erlebt habe.
00:03:58: Der Fabrice geniesst die Zeit mit den Leuten, die er liebt.
00:04:02: Man weiss nie, wann es endet.»
00:04:05: Was bedeutet das aber, von klein auf Verantwortung zu tragen für sein
00:04:09: Geschwisterteil, das mit Behinderungen lebt?
00:04:12: «Ich schätze es, weil ich weiss, dass meine Eltern mir vertrauen.
00:04:15: Sie wissen, dass ich in Notfallsituationen weiss, wie ich handeln soll.
00:04:20: Mir macht es noch Spass.
00:04:22: Als ich klein war, habe ich immer auf ihn aufgepasst und viel zum Leben
00:04:26: gelernt.
00:04:26: Ich mache auch mit Epi-Swiss Lager.
00:04:28: Ich kam nur dank ihm dazu.
00:04:31: Ich kann meinen Job umwandeln, den ich wirklich mag.
00:04:35: Ein Lager für Jugendliche mit Epilepsie.»
00:04:38: Mehrmals im Jahr engagiert sich Alena mit Herzblut als Betreuerin.
00:04:43: Mit dabei auch ihr Bruder Fabrice.
00:04:44: In diesen Lagern hat jede Betreuungsperson ein Kind.
00:04:48: Also ein Jugendliches, das sie betreut.
00:04:52: «Fabrice sagte mir von Anfang an, dass ich nicht seine Betreuerin werden sollte.
00:04:56: Aber im Endeffekt bin ich immer die Person, auf die er zurückkommt, wenn da ein Problem
00:05:00: ist.
00:05:01: Er geht nicht unbedingt zu seiner Betreuungsperson, sondern meistens zu mir.»
00:05:05: Fabrice sagt: «Am Anfang des Lagers ist es schwierig.
00:05:07: Es ist nicht cool, dass die Schwester mehr zu sagen hat als ich.»
00:05:12: Aber die Beziehung ändert sich nicht sehr fest dazwischen.
00:05:16: «Fabrice ist froh, dass ich beschäftigt bin mit anderen», sagt Alena.
00:05:18: Die beiden sind ein eingespieltes Team.
00:05:21: Für Alena gibt es immer noch viel zu wenig Freizeit- und Sportangebote für
00:05:25: junge Menschen mit Behinderungen.
00:05:27: «Ich finde es schade.
00:05:28: Man hört immer wieder, dass Leute mit einer Beeinträchtigung nicht aufgenommen
00:05:33: werden.
00:05:34: Aus dem Grund, dass sie es vielleicht weniger gut können oder mehr Leute
00:05:38: brauchen, die auf sie aufpassen.
00:05:39: Ich finde, es sollte für alle zugänglich sein.
00:05:42: Jeder soll machen, was er will.»
00:05:44: Für Fabrice wünscht sich Alena v.a. eines.
00:05:47: Dass er viele tolle Leute im Leben kennenlernt, die ihn so nehmen, wie er ist.
00:05:52: Und dass er seine Träume ausleben kann, den Job machen kann, den er will und
00:05:57: auch gerne macht.
00:05:58: Und dass er weiterkommt und Leute hat, denen er vertrauen kann und denen ich
00:06:03: helfen muss.
00:06:33: [Signet] Stiftung Denk an mich: Ferien und Freizeit für Menschen mit Behinderungen.
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