Multiple Sklerose: Unsichtbare Krankheit
Shownotes
Mit 24 Jahren erhielt die Musikerin Any Sabadi die Diagnose Multiple Sklerose. Statt die Krankheit zu verstecken, entschied sie sich, offen damit umzugehen. In ihren Songs verarbeitet sie Gefühle, Zweifel, Hoffnung und Verletzlichkeit. Musik wird für sie zu einem Weg, mit der Krankheit zu leben.
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00:00:01: [Signet] Stiftung Denk an mich.
00:00:03: Die Solidaritätsstiftung von SRF, die Ferien- und
00:00:07: Freizeitaktivitäten für Menschen mit Behinderungen unterstützt.
00:00:13: Multiple Sklerose, kurz MS. Das ist eine chronische
00:00:17: Erkrankung des Nervensystems.
00:00:20: Viele Symptome sind unsichtbar, wie z.B. Müdigkeit,
00:00:23: Reizüberflutung oder Konzentrationsprobleme.
00:00:27: In der Schweiz leben über 18'000 Menschen
00:00:29: mit MS. Über 2'500 sind junge Betroffene.
00:00:33: In ihrem Alltag meistern sie viele Herausforderungen.
00:00:37: Schon nur Freunde zu treffen, etwas zu unternehmen,
00:00:40: ist schwierig.
00:00:41: Das Umfeld versteht oft nicht, warum.
00:00:43: Trotzdem wollen sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben.
00:00:46: Darum hat die Schweizerische MS-Gesellschaft einen neuen
00:00:48: Begegnungsort geschaffen.
00:00:51: «Multiple Sound» heisst der Musik- event für
00:00:54: junge Menschen mit MS. Auch nicht Betroffene können
00:00:58: dort abtanzen und sich austauschen.
00:01:00: Die Stiftung Denk an mich unterstützt diesen Anlass.
00:01:03: Mit dabei und auf der Bühne ist die
00:01:06: Musikerin Any Sabadi.
00:01:08: Sie lebt selbst mit MS und macht die
00:01:10: unsichtbare Krankheit mit ihrer Musik sichtbar.
00:01:13: Der Beitrag von Pascale Volke.
00:01:17: Any Sabadi ist 27 Jahre alt, eine junge,
00:01:20: aufstrebende Musikerin aus dem Bündnerland.
00:01:23: Sie macht alternativen Soulpop auf Mundart.
00:01:26: Ihre Texte sind ehrlich, berührend und gehen direkt
00:01:30: ins Herz.
00:01:31: [Song von Any Sabadi]
00:01:31: Du trägst einen schweren Rucksack.
00:01:34: [Kurze Pause]
00:01:34: So tonnenschwer ist das Gefühl, er zieht dich
00:01:36: täglich noch mehr runter.
00:01:39: Any Sabadi haut mit ihrer Stimme gerne
00:01:43: ihre Emotionen heraus.
00:01:46: [Song geht weiter]
00:01:46: Du sagst ihr öfters, sie glaube, dass sie
00:01:48: das nicht packt.
00:01:50: [Pause]
00:01:50: Kaum Geld in der Tasche und trotzdem all die Ausgaben.
00:01:56: Sie ist aber auch sehr mitfühlend und möchte
00:02:00: möglichst viele Leute einladen, auf der Emotionen-Welle
00:02:05: mitzureiten.
00:02:06: Auf jeden Fall sehr ehrlich, authentisch und einfach
00:02:11: auch real sein.
00:02:13: Ich meine, nichts läuft immer super.
00:02:15: Das zeigt sie auch.
00:02:17: Any bekam vor drei Jahren die Diagnose MS.
00:02:21: Mit ihrer Musik will sie auch jungen Betroffenen
00:02:23: Stimmen geben und v.a. die Leute rundherum
00:02:26: darauf sensibilisieren, mehr Verständnis zu haben und weniger
00:02:29: Vorurteile.
00:02:31: Statt ihre chronische Erkrankung zu verbergen, setzt sie
00:02:34: mit ihrer persönlichen Geschichte ein wichtiges Zeichen.
00:02:37: Ich habe mich dazu entschieden, offen damit umzugehen,
00:02:40: gerade auch, um es sichtbar zu machen, um
00:02:43: anderen das Gefühl zu geben, dass sie auf
00:02:47: der Bühne steht und laut dazu schreit oder
00:02:52: dazu steht, dass sie nichts dafür kann, dass
00:02:58: sie das gerade trifft oder sie getroffen hat.
00:03:02: Um für all diese Leute auch irgendwie da
00:03:07: zu sein und sie abzuholen, damit man nicht allein
00:03:10: ist und es egal ist, wer das ist.
00:03:13: Dass es halt immer unglücklich kommen kann im
00:03:16: Leben.
00:03:17: Dass man sich das nicht aussucht und trotzdem
00:03:20: aber unbedingt weitermachen soll, egal, was man gerade
00:03:24: liebt im Leben oder gerne macht.
00:03:27: Dass einem das nicht von etwas abhalten muss,
00:03:30: nur weil man es jetzt hat.
00:03:32: Es braucht viel Mut, so offen darüber zu
00:03:34: sprechen.
00:03:34: Der Moment, als sie erfahren hat, dass sie
00:03:37: selbst betroffen ist, war für sie sehr schwierig.
00:03:39: Ja, schon sehr.
00:03:41: Um das zuerst einmal zu verarbeiten, aber auch
00:03:46: anzunehmen und irgendwann dann auch akzeptieren zu können,
00:03:51: dass das etwas ist, das ein Teil von
00:03:54: dir ist und bleibt, ist schon heftig.
00:03:58: Vor allem, wenn du denkst, du bist noch
00:04:01: recht jung, du hast dein Leben und gehst
00:04:05: gerne feiern.
00:04:06: Dann weisst du, dass diese Dinge für dich
00:04:09: nicht mehr so ideal sind.
00:04:11: Du musst dich jetzt halt auch gewisse Untersuchungen stellen.
00:04:15: Du musst sie jährlich machen, je nachdem auch
00:04:17: halbjährlich.
00:04:19: Für dich läuft es jetzt einfach ein bisschen
00:04:21: anders ab jetzt.
00:04:23: Das ist schon irgendwann hart, ja.
00:04:27: Any lebt ihren Alltag heute viel bewusster, macht
00:04:30: regelmässig Sport und verarbeitet ihre Gefühlswelt v.a.
00:04:34: mit der Musik.
00:04:34: Es ist wie ein Ventil, das ihre Emotionen,
00:04:38: Ängste und Hoffnungen zum Ausdruck bringen kann.
00:04:41: Und sie hat in dieser Zeit gelernt, mit
00:04:43: ihrer Krankheit umzugehen.
00:04:45: Ich habe das Gefühl, ich bin jetzt auch
00:04:48: viel reifer.
00:04:51: Denn all die Probleme, die ich vorher hatte,
00:04:54: die ich dachte, das seien Probleme, sind jetzt
00:04:57: für mich Peanuts.
00:04:59: Und jetzt geht es wirklich um etwas, das
00:05:02: nicht so schnell aus der Welt geschafft ist.
00:05:05: Das Denken und die Prioritäten sind schon sehr anders
00:05:09: geworden.
00:05:10: Das merkt man aber auch in den Texten.
00:05:13: Es tut mir gut, dass ich die Musik
00:05:16: habe, um das auch rauszulassen, um das auf
00:05:20: jeden Fall irgendwie zu integrieren.
00:05:23: Aber es macht mir schon Sorgen, ob es
00:05:27: in der Zukunft immer möglich ist, auf den
00:05:31: Bühnen zu sein.
00:05:32: Das macht mir etwas Angst.
00:05:34: Aber sonst finde ich, dass es sehr gut ist
00:05:37: und positiv beeinflusst.
00:05:40: Und mit ihrer Musik will sie v.a.
00:05:42: die Gesellschaft darauf sensibilisieren, noch mehr Verständnis zu
00:05:46: haben.
00:05:46: Ich finde, man muss chronischen Krankheiten wirklich einfach
00:05:49: Glauben schenken.
00:05:50: Denn ich glaube, kein Mensch mit normalen Absichten
00:05:54: denkt sich das einfach so aus, dass man
00:05:57: das jetzt hat.
00:05:57: Man sagt, man habe das, nur um irgendwie
00:06:00: Vorteile zu holen oder so.
00:06:04: Das soll man einfach glauben.
00:06:05: Denn es ist schon schwer genug, dass man
00:06:08: es sagen muss und es hat.
00:06:10: Und dass man es dann noch irgendwie rechtfertigen
00:06:13: und beweisen muss.
00:06:14: Ich glaube, das ist eben auch darum so
00:06:17: wichtig, dass man es sichtbar macht.
00:06:20: Any freut sich umso mehr, gibt den neuen
00:06:22: Begegnungsort Multiple Sound.
00:06:24: Ein Ort, um zusammenzukommen, sich auszutauschen und verstanden
00:06:27: zu fühlen.
00:06:28: Ich hoffe megafest, dass die Leute, die dort
00:06:31: hinkommen und selbst betroffen sind, es trotzdem ein
00:06:34: bisschen vergessen können an diesem Tag.
00:06:37: Sie sollen sich auch nicht allein fühlen und
00:06:40: finden, das sei so cool, dass so viele
00:06:43: andere das gleiche Schicksal teilen.
00:06:46: Man muss sich nicht erklären.
00:06:48: Man versteht gerade irgendwie, was man meint.
00:06:52: Und man versteht auch, wie man sich fühlt.
00:06:54: Ich glaube, das schafft eine grosse Verbundenheit an
00:06:58: diesem Tag.
00:06:59: Das erhoffe ich mir auch ein bisschen.
00:07:01: Ich finde das generell einfach einen sehr schönen
00:07:04: Anlass.
00:07:05: Ich hoffe, dass man sich dort auch ein
00:07:08: bisschen vergessen kann.
00:07:10: Und ihr hört Musik von Annie.
00:07:13: Das wollen wir.
00:07:14: Multiple Sound am Samstag, 28.
00:07:16: März in Zürich.
00:07:18: Alle Infos findet ihr unter denkanmich.ch. [Signet] Stiftung
00:07:25: Denk an mich.
00:07:26: Unterstützt Ferien- und Freizeitaktivitäten von Menschen mit
00:07:29: Behinderungen.
00:07:31: Mehr Informationen auf denkanmich.ch.
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